Achtung Nebenwirkungen! Warum wir Alkohol mit Vorsicht genießen sollten.

Prost: Zwei anstoßende Bierflaschen.

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Das Gesundheitsrisiko von Alkohol wird von der Mehrheit der Bevölkerung unterschätzt oder ignoriert. Laut statistischem Bundesamt starben im Jahr 2012 in Deutschland rund 15.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. Somit kamen viermal so viele Menschen durch Alkohol als durch Verkehrsunfälle ums Leben!

Die Haupttodesursachen waren alkoholische Leberkrankheiten wie z. B. die Leberzirrhose. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Alkohol eine der zehn weltweit bedeutendsten Gesundheitsrisiken. Dabei ist es übrigens egal, ob Bier, Wein oder Schnaps getrunken wird.

Alkohol und Krebs

Es ist bekannt das Alkohol die Leber schädigt und die Entstehung von Übergewicht begünstigt. Was viele Menschen nicht wissen: Alkohol steigert das Risiko an Krebs zu erkranken. Laut dem Internationalen Krebsforschungszentrums der World Health Organisation (IARC) gilt der ursächliche Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Auftreten von Krebserkrankungen der Leber, der Brust, des Darms und des oberen Verdauungstraktes seit einigen Jahren als wissenschaftlich belegt. Daten der EPIC Studie aus dem Jahr 2011 haben gezeigt, dass Alkoholkonsum für etwa zehn Prozent der Krebsfälle bei Männern und drei Prozent der Krebsfälle bei Frauen verantwortlich ist.

Wirkungsmechanismus

Trinken wir Bier, Wein oder Schnaps scheidet der Körper zehn Prozent des Alkohols unverändert über den Atem wieder aus. Deshalb haben wir eine Fahne. Die restlichen 90 Prozent werden zunächst zu Acetaldehyd umgesetzt. Es handelt sich hier um einen sehr reaktiven Stoff. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Acetaldehyd an die Bausteine unserer Erbsubstanz, also an die DNA bindet. Daraus resultierende DNA-Veränderungen können zu Mutationen führen und das Wachstum von Krebszellen auslösen.

Aber dies ist nur ein möglicher Mechanismus. Alkohol löst Krebs in verschieden Organen aus. Genauso verschieden und komplex sind auch die zugrunde liegenden Reaktionsketten. Tatsächlich werden eine Reihe verschiedener Vorgänge diskutiert, die in unseren Körper durch Alkohol ausgelöst werden und zur Tumorentwicklung führen können. So wirkt Ethanol beispielsweise auf die Regulation der wichtigsten weiblichen Sexualhormone (Östrogen), was möglicherweise ursächlich für Brustkrebs ist.

Moderat ist gut – gar nicht noch besser

Die meisten alkoholbedingten Krebsfälle wurden bei Menschen beobachtet, die mehr als die von Gesundheitsorganisationen empfohlene Höchstmenge tranken: Für Männer gilt demnach höchstens ein halber Liter Bier oder einen Viertelliter Wein pro Tag. Für Frauen maximal ein Viertelliter Bier oder ein Achtelliter Wein. Das entspricht 10 bis 15 Gramm Alkohol. Höchstwahrscheinlich ließen sich noch weitere Krebserkrankungen vermeiden, wenn wir total auf Alkohol verzichten würden.

Laut Robert-Koch-Institut gibt es nämlich keinen Grenzwert für harmlosen bzw. risikofreien Alkoholkonsum. Aber ganz auf Alkohol verzichten, möchten wohl die Wenigsten. Alkohol hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Es geht nicht nur um Spaß, sondern auch um soziale Aspekte. Wer in geselliger Runde nur ein Wasser bestellt, gilt ohne triftigen Grund (Schwanger, Auto, Krankheit) schnell als Spielverderber.

Ist Rotwein gut für’s Herz?

Immer wieder tauchen Studien auf, die besagen, dass Alkohol vor Herzinfarkten schützt. Insbesondere dem Rotwein werden hier positive Eigenschaften zugesprochen. Das liegt aber vermutlich weniger an seinem Alkoholgehalt, sondern vielmehr an den in ihm enthaltenen Flavonoiden. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen aber auch ungegärten Trauben vor. Warum also nicht einfach Traubensaft trinken? So würde man zumindest auf Nummer sicher gehen.

Alles nur Panikmache?

Alkohol ist legal und wird in den besten Kreisen getrunken. Selbst die Queen kippt regelmäßig ihren Gin. Wir jubeln „Cheers“ und machen mit: just for fun, zur Entspannung oder zum Genießen. Und hat es uns geschadet? Die Generation unserer Eltern ist trotz unzähliger, feuchtfröhlicher Feten der Hippiezeit, 80er und 90er topfit. Viele sind noch im Job, fahren Fahrrad und gehen auf Weltreisen. Langzeitschäden durch Alkohol Fehlanzeige.

Aber stimmt das wirklich? Ich finde es schon sehr auffällig, wie viele Menschen in meinem Umkreis an Krebs erkranken. Andauernd kommen neue Hiobsbotschaften. Natürlich kann nicht alles dem Alkohol zugesprochen werden. Es gibt viele andere Aspekte, die dafür ursächlich sein können, wie die genetische Veranlagung, Rauchen, etc. Problematisch finde ich aber, dass alkoholische Getränke in dieser Auflistung meist überhaupt nicht vorkommen. Nach dem Motto: Wenn es alle machen und es legal ist,  kann es jawohl bitteschön nicht so schlimm sein.

Ist es das wirklich wert?

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob der Alkohol es wirklich wert ist, dafür das Krebsrisiko zu steigern. Vielen Menschen ist es egal. Sie leben im Hier und Jetzt. Denn irgendwann müssen wir ja sowieso sterben. Andere verzichten vorsichtshalber lieber ganz darauf. Ich für meinen Teil versuche im Augenblick zu leben, ohne die Zukunft außer Acht zu lassen. Deshalb trinke ich Alkohol in Maßen.

Ein Leben indem es nur darum geht, Risiken zu minimieren, erscheint mir irrsinnig. Ich möchte mich nicht einsperren, weil mir ein Stein auf den Kopf fallen könnte. Weniger Alkohol zu trinken, stellt für mich aber kein Problem dar. Im Gegenteil. Ich habe festgestellt, dass es wie so oft, nur die Macht der Gewohnheit ist. Das Glas Prosecco auf Geburtstagen kann problemlos mit einem Wasser oder einem alkoholfreien Bier ausgetauscht werden. Im Grunde geht es doch nur darum, etwas zum Nippen in der Hand zu halten.

Natürlich kann angetrunken sein auch Spaß machen. Es bringt uns in eine andere Stimmung, entspannt und löst. Deshalb werde ich wahrscheinlich auch nie komplett darauf verzichten. Trotzdem finde ich es wichtig, sich der negativen Wirkung von Alkohol bewusst zu sein. Wir schreien auf, wenn unser Obst nicht bio ist und unser Gemüse genetisch verändert wird. Dann  teilen wir uns zum Abendessen ohne mit der Wimper zu zucken eine Flasche Wein: Für Frauen das Vierfache der empfohlenen Höchstmenge. Ein Getränk, von dem wir mit Sicherheit wissen, dass es Krebs erzeugen kann, was man von genetisch veränderten Pflanzen (bisher) nicht behaupten kann.

4 thoughts on “Achtung Nebenwirkungen! Warum wir Alkohol mit Vorsicht genießen sollten.

  1. Kai von der Brauerei

    Die Bitterstoffe des Hopfens, sogenannte Humulone, wirken unter anderem entzündungshemmend, wie auch schon Hildegard von Bingen beobachtet hatte. Deshalb haben Wissenschaftler die Bitterstoffe auch als mögliche Kandidaten zum Einsatz gegen Erkrankungen wie Krebs oder bei Diabetes in Erwägung gezogen.

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  2. Anonymous

    Leider ist im Bier heutzutage quasi kein Hopfen mehr enthalten; selbst in Bio-Bieren mit angeblichen hohem Anteil ist dieser kaum meßbar. Darüber hinaus bleibt am Ende immer noch der Alkoholanteil.

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    1. Kai von der Brauerei

      Hallo Herr Quasi,

      ich kann nicht nachvollziehen warum Ihr Halbwissen heutzutage biologisch überleben konnte.

      Die Hopfenmenge wird wissenschaftlich in IBU ( International Bitterness Unit ) ermittelt. Unabhängig ob BIO oder nicht hat sich die Hopfengabe im Laufe der Zeit nicht verändert.

      Die Bitterkeit der Biere wird in IBU (International Bittering Units) angegeben, wobei 1 IBU = 1 mg gelöste Alphasäure darstellt. Die IBU-Angabe ist für die spätere Berechnung der Hopfenmenge von Bedeutung und wird in folgender Tabelle sortentypisch angegeben.

      Biersorte Bitterkeit in IBU

      Altbier 25 – 40 (teilweise bis 60)
      Pils 25 – 45 (teilweise bis 50)
      Märzen 20 – 25
      Weizenbier 10 – 20
      Kölsch 15 – 35
      Märzen 20 – 25
      Berliner Weiße 4 – 6
      Bock (hell) 10 – 40
      Doppelbock (hell) 15 – 35
      Lager 5 – 25
      Export 20 – 30
      dunkle Starkbiere 25 – 30
      irische Stouts 35 – 65
      Typ: Tschechisches Budweiser 30

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  3. Sonja Post author

    Wirklich schade um den schönen Hopfen… Aber man kann auch einfach alkoholfreies Bier trinken. Das enthält kaum Alkohol, dafür aber angeblich mehr Hopfen und außerdem auch noch weniger Kalorien 🙂

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