Ohne Low Carb und Diätenwahn zum Wohlfühlgewicht

Mit Millimetermaß wird ein Bauch vermessen (schwarz/weiß)

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Diäten längst out? Das dachte ich auch, aber in Wirklichkeit lauern sie überall. Besonders jetzt im Frühling, wo sich alle nach einer Bikinifigur sehnen oder zumindest nach Formen, die der leichten Sommerkleidung schmeicheln. Die Pfunde sollen purzeln und zwar schnell und anhaltend. Mit einer Diät gelingt das meistens nicht.

Kritik am Low Carb Hype

Schmierblätter preisen Woche für Woche die tollsten Wundermittel an: Fettverbrennende Lebensmittel, Pfund-Weg-Wundersuppen, Schlankmachende Getränke?! Total in Mode ist die sogenannte Low Carb Diät. Bloß keine bösen Kohlenhydrate essen. Ich muss zugeben: In meinem Freundeskreis hat sie sich in Einzelfällen wirklich schon bewährt.

Für Menschen mit einem eisernen Willen, auf deren Speiseplan hauptsächlich ungesunde, leere Kohlenhydrate wie Limonaden, Süßigkeiten, Weißbrot, Chips oder Pommes stehen, ist es bestimmt ein guter Ansatz. Pauschal würde ich aber niemals dazu raten. Für die Meisten bedeutet Low Carb nämlich ein ständiges „On and Off“. Wenn ihr mich fragt, eine Quälerei die auf lange Sicht nichts bringt.

Außerdem sind nicht alle Kohlenhydrate über einen Kamm zu scheren. Komplexe Kohlenhydrate, wie sie z. B. in Vollkornprodukten vorkommen, sind ernährungsphysiologisch komplett anderes als Einfach-Zucker aus Schokolade. Sie werden langsamer abgebaut, sind voluminöser und sättigen deswegen viel besser. Hinzu kommt, dass Vollkornreis und Co. reichlich wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien mit sich bringen. Die würde ich nie missen wollen!

Besser langfristige Umstellung als Diäten-Quickie

Problematisch an jeder Art von Diät finde ich, dass sie meist ein Ausnahmezustand sind. Eine Ernährungsform die Man Mal für eine gewisse Zeit aushalten kann, aber niemals für immer. Und dann bleibt der Jojo-Effekt leider nicht aus. Wichtig ist es, seine Ernährung so umzustellen, das man sie auch noch in 20 Jahren gut findet.

Ich denke die AID-Ernährungspyramide bietet hier ein gute Orientierung. Demnach gilt: reichlich ungezuckerte bzw. kaum gezuckerte Getränke (Wasser, Tee, Saftschorlen), Gemüse, Obst, Vollkornprodukte. Milcherzeugnisse, Fleisch und Fisch in Maßen und kaum Fette, Süßigkeiten, salzige Snacks und Alkohol. Das schöne: Die Abwechslung.

aid-Ernährungspyramide

aid-Ernährungspyramide

Die meisten Diäten – auch Low Carb – sind schnell sehr einseitig und können auf einen längeren Zeitraum sogar zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen führen. Die Ernährungspalette der Pyramide bietet hingegen so viel Auswahl und Spielraum, dass sich hier jeder glücklich gesund essen kann.

Hunger und Sättigung erkennen

Natürlich sollte auch die Zubereitung stimmen. Anstatt mit reichlich Fett braten, besser schonend dünsten. Wichtig ist außerdem, sich an gewisse Portionsgrößen zu halten und Kohldampf nicht mit Appetit zu verwechseln. Niemand muss hungern, wenn er anstatt fünf Scheiben Brot „nur“ zwei zum Abendbrot isst. Auch Dauersnacken ist kontraproduktiv. Nur durch essfreie Zeiten lernen wir unser Hunger- und Sättigungsgefühl kennen.

Gewicht zum Wohlfühlen

Erwartet bloß keine Wunder! Auch wer sich nach der Pyramide ernährt, wird nicht automatisch zum Unterwäschen-Model. Was mit dieser Ernährung aber auf jeden Fall erreicht werden kann, ist ein Wohlfühlgewicht im gesunden Bereich und ein mit allen Nährstoffen gut versorgter Organismus. Ein Gewicht, das unsere Gelenke nicht belastet und mit dem wir beweglich bleiben. Je nach Typ und Essgewohnheiten wird der eine gertenschlank und der andere eher kurvig sein.

Perfekte, makellose Körper gibt es sowieso nur in Hochglanzmagazinen. Und Dellen, Röllchen und Pölsterchen sind absolut nichts, wofür man sich schämen brauch. Oft vergisst man beim ganzen kritisieren und vergleichen, was für ein Wunderwerk unserer Körper eigentlich ist.

Bewegung tut gut

Beim Abnehmen gibt es übrigens eine ganz einfache Regel, die eigentlich alle kennen: Um Pfunde zu verlieren, muss mehr Energie verbrannt werden, als aufgenommen wird. Wer sein Wohlfühlgewicht erreichen will, sollte seine ausgewogene Ernährung deshalb unbedingt mit Bewegung kombinieren.

Niemand muss zum Leistungssportler werden. Aber jeden (oder jeden 2.) Tag ein Stündchen Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren wäre toll. Das stärkt nicht nur Muskeln und Knochen sondern belebt auch den Geist. Das Gute jetzt im Frühjahr: Die Tage werden wieder länger und man kann auch einfach vor oder nach der Arbeit ein Stündchen Joggen gehen.

Sport-Neulinge sollten das „Training“ aber langsam angehen und dann Stück für Stück steigern. Kranker Ehrgeiz schädigt Gelenke und Psyche eher anstatt sie zu stärken.

Total unsportlich

Absolute Bewegungsmuffel gestalten ihren Alltag einfach insgesamt aktiver: Treppen statt Rolltreppen, drei Busstationen laufen anstatt fahren, das Auto Mal etwas weiter weg parken usw…. Vielleicht mögt ihr auch sanfte Bewegungsformen wie Hatha-Yoga oder Thai-Chi. So gönnt ihr auch euren Geist Mal eine Pause.

Relax Baby

Denn bei aller Liebe zur gesunden Ernährung und zum Sport: Geht behutsam mit Euch um! Seid nicht so streng und gönnt euch bewusste Pausen, in denen ihr nicht einfach nur rumsitzt, sondern wirklich entspannt und abschaltet.

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