Warum richtig Essen lernen so wichtig ist

Gedeckter Tisch mit Kuchen zum Kindergeburtstag

Foto by Efraimstochter/pixabay

„So dick war die Menschheit noch nie“, hieß es am 01.04.2016 in der Online-Ausgabe der Zeitung DIE ZEIT. Es handelte sich keineswegs um einen Aprilscherz. Der Artikel bezog sich auf eine britische Studie,  die zeigt, dass erstmals mehr Übergewichtige als Untergewichtige auf der Erde leben. Die Forscher um den Harvard-Professor Majid Ezzati prognostizieren eine schwarze Zukunft: Ohne „eine kluge Ernährungspolitik und verbesserte Gesundheitsvorsorge“ könne in zehn Jahren fast jeder fünfte krankhaftes Übergewicht entwickeln.

Ein paar Kurven mehr? Kein Problem! Studien weisen sogar darauf hin, dass ein leicht erhöhter Body Mass Index (BMI) die Lebenserwartungen verbessert. Beim krankhaften Übergewicht geht es aber nicht um ein paar Kilos. Das eigentliche Problem: ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Schlaganfälle und bestimmte Arten von Krebs. Das bedeutet nicht unbedingt einen frühen Tod, aber es macht ein qualvolles Altern mit Schmerzen sehr wahrscheinlich.

Früh übt sich

Wer selbst schon Mal eine Diät gemacht hat, weiß, wie schwer es ist, überflüssige Pfunde zu verlieren. Ernährungsgewohnheiten lassen sich nicht einfach ablegen wie ein alter Hut. Deshalb ist es so wichtig, schon in der Kindheit, durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung die Grundlage dafür zu schaffen, später nicht übergewichtig zu werden.

Als Mutter eines Zweijährigen kenne ich die Hürden. Besonders problematisch finde ich, die im Fachjargon als „adipogen“ bezeichnete Umgebung. Gemeint ist, dass an jeder Ecke leckere Kalorienbomben locken. Kinder sind davon besonders betroffen. Entzückt drückt ihnen die nette Frau beim Fleischer ein Wiener Würstchen in die Hand, augenzwinkernd schiebt die Bäckersfrau einen Schoko-Muffin über die Theke und der freundliche Kellner zaubert stolz einen Kaubonbon hinterm Ohr hervor.

Diese Gesten sind so nett, dass man gar nicht dazwischen gehen kann. Tut man es doch, vermiest man nicht nur die gute Stimmung. Man rückt das Thema Essen in den Mittelpunkt und besetzt es mit Werten, die über die der selbstverständlichen Nahrungsaufnahme hinausgehen. Essen bekommt so einen zu hohen Stellenwert und Essstörungen werden vorprogrammiert.

Trotzdem muss man nicht willenlos zugucken. Kleine Leckereien dürfen ab und zu sein, aber nicht ständig und überall. Deswegen gehe ich oft dazwischen, blitzschnell, kommentarlos und möglichst unauffällig. Zugegeben es ist ein Spagat mit Kompromissen.

Das Angebot bestimmt die Nachfrage

Immer wieder aufregen, kann ich mich über Kindermenüs in Restaurants: Fritiertes Hühnchen, Pommes, Kroketten und Nudeln mit Butter. Keine Spur von Gemüse. Zum Nachtisch Eis und Pudding anstatt Obstsalat. Unter Ernährungswissenschaftlern werden derartige Lebensmittel als „Leere Kalorien“ bezeichnet. „Leer“ weil sie nur Kalorien aber keinerlei wertvolle Stoffe wie Vitamine oder Ballaststoffe enthalten. Mit diesen Produkten gelingt es übergewichtig und trotzdem mangelernährt zu sein.

Doof ist es auch, wenn auf Kindergeburtstagen nur Würstchen, Chips und Sahnetorten angeboten werden. Zum Abschied gibt es dann noch eine schöne Tüte gefüllt mit zuckersüßen Gummibärchen, Lollis und Bonbon-Ketten. Muss das sein? Wir wollen doch alle nur das Beste für unsere Kinder! Wo sind die bunten Obst- und Gemüse-Spieße, Naturjoghurts, Vollkornprodukte und selbstgebackene, mild gesüßte Kuchen? Oft freuen sich die Kleinen auf dem Nachhauseweg viel mehr über ein kleines Spielzeug als über Süßkram. Ihr tut euren Kindern mit diesen „leeren Kalorien“ nichts Gutes, auch wenn die Augen zu leuchten beginnen und euch das Herz dabei aufgeht.

Genuss mit Folgen

In fünf Jahren leuchten die Augen nicht mehr, wenn das Kind gehänselt wird, weil es im Sportunterricht nicht so flink und gelenkig ist wie die anderen. Oder in zehn Jahren, wenn ihr einen magersüchtigen Teenager zum Essen überreden müsst. Oder in 50 Jahren, wenn ein Erwachsener mit kaputten Gelenken, zerlöcherten Zähnen, erhöhtem Zucker bzw. Blutdruck von einem Arzttermin zum nächsten rennt. Oder in 60 Jahren, wenn ein Mensch in den besten Jahren durch die Langzeitschäden eines zu hohen Blutzuckers erblindet oder seinen Fuß amputiert wird, einen Schlaganfall erleidet oder zur Chemo muss, weil ein böswilliger Tumor entdeckt wurde.

Das ist das schlimmst mögliche Szenario, aber keineswegs ein unrealistisches. Natürlich spielt auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Nicht jedes Kind wird dick, weil es ständig Pommes und Süßigkeiten naschen darf. Aber auch diejenigen, denen man es nicht ansieht, profitieren von einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst: Starke Knochen, gesunde Zähne, ein gutes Abwehrsystem und Vieles mehr.

Welche Lebensmittel eignen sich besonders gut für Kinder, welche überhaupt nicht und was für Lebensmittel-Mythen kursieren? Dazu mehr in meinem nächsten Blog-Beitrag.

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