Mit weihnachtlichem Gewürztee Verdauungsfeuer entfachen – Masala Chai

Chailatte: Indischer Gewürztee mit Sahnehaube

Du kriegst langsam einen Backkoller? Aber die selbstgemachten Plätzchen sind schon alle weggefuttert und Heiligabend steht vor der Tür? Mein Tipp: indischer Gewürztee. Masala Chai kommt komplett ohne Kneten, Formen und Ofen aus. Schmeckt würzig weihnachtlich, liefert eine extra Portion Milch und hilft sogar dabei den üppigen Festtagsschmaus zu verdauen.

Die Mischung macht‘s

In Indien ist der cremige, süße Chai ein Nationalgetränk. Wörtlich übersetzt heißt „Chai“ einfach Tee und „Masala“ bezeichnet die Gewürzmischung. Es gibt nicht ein Rezept, sondern viele verschiedene. Fast jede Familie hat ihre eigene Komposition, die aber eigentlich nie ohne Kardamom, Fenchelsamen, Ingwer, Anis, Nelken, und Zimt auskommt. Die Basis bildet ein kräftiger schwarzer Tee, Milch, Wasser und Honig.

Geschmack mit vielfältiger Wirkung

Die Gewürze geben dem Chai sein unverwechselbares Aroma. Fast allen ist ein süßlich, scharfer Geschmack eigen. Laut ayurvedischer Ernährungslehre entfachen sie das Verdauungsfeuer „Agni“ und wecken die Lebensgeister.

Das Wissen zu den Wirkungen von Kräutern und Gewürzen beruht größtenteils auf Erfahrungen der Volksheilkunde und ist meist nicht wissenschaftlich belegt. Das liegt aber auch daran, dass es schwer ist in Studien die Komplexität der Pflanzen greifbar zu machen. Eine Pflanze enthält oft viele unterschiedliche Substanzen, die untereinander in Wechselwirkung treten und sich auch durch Aufbewahrung und Zubereitung verändern können.

Grüner Kardamom

Kardamom enthält Aromen die u.a. an Eukalyptus erinnern. In beiden Gewürzen kommt der Stoff Cineol vor. Der Bestandteil wirkt schleimlösend und antibakteriell. Laut ayurvedischer Ernährungslehre treibt Kardamom den Fluss der Verdauungssäfte an. Durch die gesteigerte Magensaft-Sekretion können schwere Mahlzeiten leichter verdaut werden. Der zugleich erhöhte Speichelfluss hat eine reinigende Wirkung auf Zähne und Zunge. Außerdem schützt Kardamom vor Blähungen und Völlegefühl. Am besten verwendet man die ganzen, grünen Kapseln und öffnet sie erst kurz vor Gebrauch. So bleiben die flüchtigen Geschmackskomponenten erhalten.

Frischer Ingwer

Ingwer schmeckt scharf, leicht süß und zitronig. Die ätherischen Öle im Ingwer enthalten besonders viele Aromakomponenten. Der Pflanze werden zahlreiche heilende Wirkungen nachgesagt. So soll sie u.a. entzündungshemmend sein, gegen Verdauungsbeschwerden und bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft helfen, Kopfschmerzen lindern und möglicherweise sogar den Blutzucker senken und vor Krebs schützen.

Fenchelsamen und Sternanis 

Anis und Fenchel sind verwandt und schmecken mehr oder weniger nach Lakritze. Sie enthalten ein ätherisches Öl, dass reich an dem geschmacksgebenden Stoff Anethol ist. Anethol wirkt krampflösend und treibt Magen -und Darmmuskulatur an. So fördert es die Verdauung und  wirkt gegen Völlegefühl und Blähungen.

Gewürznelken

Nelken schmecken süß bis pfeffrig. Das hier vorkommende ätherische Öl, enthält den Wirkstoff Eugenol, der Verdauungsbeschwerden und Schmerzen lindert sowie gegen Viren und Bakterien wirkt. Deswegen wird Nelkenöl traditionell auch gegen Zahnschmerzen verwendet.

Zimt

Zimt hat ein unverwechselbares Aroma und schmeckt eben nach Zimt. Auch diesem Gewürz werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Zimt-Tee rege u.a. die Verdauung und Durchblutung an, wirke krampflösend und sei antibakteriell.

Zimt enthält aber auch Cumarin: Ein natürlicher Aroma- und Duftstoff, der in höheren Konzentrationen außer in Zimt z. B. auch in Waldmeister vorkommt. Bei besonders empfindlichen Menschen kann Cumarin schon in relativ kleinen Mengen Leberschäden verursachen. Deshalb rät das Bundes Institut für Risikobewertung Menschen, die oft und viel Zimt verwenden zum cumrinarmen Cylon-Zimt (BfR 2012). Wo es den zu kaufen gibt und wie man ihn erkennt, erfahrt ihr in meinem Zimt-Artikel.

Warum nicht einfach ne Teemischung kaufen oder einen Chai von Starbucks?

Wem das alles zu aufwendig ist, kann sich natürlich auch eine Chai-Tee-Mischung in einem Tee- oder Bioladen kaufen. Die sind nur meist viel teurer und wahrscheinlich nicht so wirkungsvoll, wie die gerade geöffneten Kardamomkapseln, frischer Ingwer oder die soeben gemörserten Fenchelsamen.

Chai-Latte von Starbucks schmeckt zwar gut, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass in dem hier verwendetem Pulver, die vielfältigen Wirkungen der Gewürze erhalten bleiben.

Was Gutes haben die Kaffeehäuser-Ketten dennoch gebracht. Die – zwar „un-indische“ und schwerere dafür aber himmlisch cremige Chai-Variante mit  luftiger Sahnehaube. Mmmh ….

Das braucht ihr für 1 Liter bzw. 3 große Tassen

  • 5-10 Kardamomkapseln
  • Hasel- bis walnussgroßes Stück frischer Ingwer
  • 1EL Fenchelsamen
  • 6 Nelken
  • 1/2 TL Anis bzw. 2 Sternanis
  • 1 TL bzw. 1 Stange Ceylon Zimt
  • 1/2 Liter heißes Wasser
  • 1/2 Liter fettarme Milch
  • 1 EL Honig (wer es süß mag etwas mehr)
  • 1 Becher Schlagsahne (250 ml)
  • 4 TL Assam-Tee (oder einen anderen kräftigen Schwarztee)
  • Lebkuchengewürz

Und so wird’s gemacht

  1. Kardamomkapseln öffnen.
  2. Ingwer schälen und kleinhacken.
  3. Fenchelsamen in einem Mörser quetschen, sodass die Öle freigesetzt werden.
  4. Zusammen mit den anderen Gewürzen in einem mittelgroßen Topf füllen.
  5. Heißes Wasser dazu und aufkochen lassen.
  6. Milch hinzufügen und unter Rühren nochmal aufkochen.
  7. 15 Minuten auf kleiner Stufe köcheln lassen und nach Belieben Honig dazu. Dabei immer wieder umrühren, damit die Milch nicht anbrennt.
  8. Parallel dazu die Sahne mit einem Handrührgerät steif schlagen.
  9. Ein letztes Mal auf hoher Stufe richtig aufkochen lassen und den Tee in das sprudelnde Wasser tun.
  10. Topf vom Herd nehmen und 3 bis 5 Minuten ziehen lassen
  11. Den Tee über ein feines Sieb in die Tassen füllen, Sahnehaube aufsetzen und mit etwas Lebkuchengewürz bestreuen.
  12. Genießen!

Wer langsam genug von fetten, süßen Speisen hat, kann die Sahne auch einfach weg lassen und/oder die Milch zu einem großen Teil durch Wasser ersetzen.

Für die neidisch guckenden Zwerge eignet sich je nach Alter entweder Milchschaum pur oder eine mildgewürzte Variante mit Roibuschtee.

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