Süß, süßer, am süßesten. Kinder lieben Süßigkeiten, aber wie viel davon ist gut für sie?

Kind mit rotem Apfel und blauem Hut

Es ist kein Geheimnis: Zucker ist schlecht für die Zähne und kann dick machen. Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, auf das gemeinsame Eis mit ihrem Kleinkind zu verzichten. In meinem Bekanntenkreis höre ich dann oft:  „Das bringe ich nicht übers Herz“ oder „Der Anblick, wie mein Kind am Eis schleckt, ist einfach zu schön“. Wenn ich erzähle, dass mein fast Zweijähriger noch nie Süßigkeiten gegessen hat, werde ich erstaunt angeguckt: „Wirklich? Ist das nicht ein bisschen hart?“

Ist eigentlich ganz einfach und tut gar nicht weh

Natürlich möchte auch ich nur das Beste für mein Kind. Süßigkeiten sind bei uns nicht Tabu, weil ich meinen Sohn bestrafen will, sondern weil ich ihn vor Krankheiten und Karies schützen möchte. Bisher interessiert er sich überhaupt nicht für Eis, weil er es noch nie probiert hat. Auch er liebt Süßes, aber ihm reicht die milde Süße von Karotten, Pflaumen, Erdbeeren usw. Denn solange die Süßschwelle bei Kindern niedrig gehalten wird, schmecken ihnen bereits Himbeeren zuckersüß. Zu sehen, wie mein Kleiner genüsslich in einem Apfel beißt, ist übrigens auch wunderschön anzusehen:-)

Ernährungsgewohnheiten werden früh geprägt

Babyspeck ist gut und hat viele schützende Funktionen (Wärmeisolierung, Mechanischer Schutz,…). Problematisch ist es aber, wenn ich mein Kind in frühen Jahren an einen extrem süßen Geschmack gewöhne. Ernährungsgewohnheiten, die in den ersten Lebensjahren erlernt werden, bleiben oft ein ganzes Leben lang erhalten. Leider werden Süßigkeiten oft anstatt von wertvollen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukten gegessen. Ein hoher Zuckerkonsum über einen langen Zeitraum erhöht das Risiko für Übergewicht und somit auch für Herzkreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes.

Warum lieben wir Süßes so?

Zucker enthält sehr viele Kalorien und null Vitamine und Mineralstoffe. Eigentlich braucht unser Körper überhaupt keine Süßigkeiten. Weil sie so gut schmecken, können wir uns ein Leben ohne sie, aber kaum mehr vorstellen. Wir haben nämlich eine angeborene Vorliebe für Süßes. Evolutionär gesehen, haben wir auf diese Weise für Millionen von Jahren unsere Energieaufnahme sichergestellt. Seit dem Beginn der Menschheit gab es wahrscheinlich nie so einen Nahrungsüberfluss wie heute in den westlichen Ländern. Darauf ist unserer Körper nicht eingestellt. Unsere Vorliebe für Süßes schützt uns nicht mehr vor dem Verhungern. Anstatt dessen erschwert sie es uns, den Verführungen von Schokoriegeln, Streuselschnecken und Eisbechern – die an jeder Ecke lauern! – zu widerstehen und kein Übergewicht zu entwickeln.

Das Angebot bestimmt die Nachfrage

Studien vom Institut für Ernährungspsychologie zeigen, dass Kinder stark davon beeinflusst werden, was ihnen zuhause angeboten wird. Wenn ihr euren Kindern täglich Obst und Gemüse anbietet, werden sie deutlich mehr davon essen, als wenn ihr das nicht tut. Die meisten Kinder greifen übrigens schneller zu, wenn Obst und Gemüse in mundgerechte Stücke geschnitten werden. Mein Kleiner bildet da ehrlicherweise eine Ausnahme. Sobald ich etwas kleinschneide, fängt er an zu schimpfen:“Neiiiiiin!!!!!!!!!! Groß, riesengroß…“ und beruhigt sich erst, sobald er eine ganze Frucht inklusive der Kerne in seinen Händen hält. Jedes Kind is(s)t anders 😉

Alternative Süßungsmittel

Ein Klassiker auf Kindergeburtstagen ist: „Dort steht der Kinderkuchen ohne Zucker. Da sind nur Bananen und Honig drin.“ Wenn ich koste, schmeckt der so genannte „Kinderkuchen“ aber genauso süß wie herkömmliche Kuchen.

Zuckeralternativen wie Honig, Vollrohrzucker, Argavensirup und andere Süßungsmittel bieten gegenüber dem weißen Haushaltszucker kaum Vorteil. Sie haben vielleicht mehr gesunde Inhaltsstoffe, aber genauso wie Zucker schmecken sie extrem süß und haben einen hohen Kaloriengehalt.  Und genau hier liegt das Problem. Auch mit Honig gewöhne ich mein Kind an einen intensiven Süßgeschmack.

Energiearme Süßstoffe (dazu gehört auch Stevia) sind ebenfalls keine gute Alternative. Sie enthalten zwar null oder wenige Kalorien, fördern aber die Gewöhnung an den süßen Geschmack.

Anstatt den Zucker durch vermeintlich gesündere Stoffe zu ersetzen, solltet ihr die Geschmacksknospen eurer Kinder besser gar nicht erst an extreme Süße gewöhnen. Letztendlich ist es wichtig, dass ihr selbst ein gutes Vorbild seid und ggf. auch den eigenen Süßigkeitenkonsum reduziert.

Weg mit dem erhobenem Zeigefinger

So oder so, irgendwann wird der Tag kommen, da euer Kind Süßigkeiten in die Hand bekommt. Sei es durch ältere Geschwister, die Kita, Oma und Opa oder Freunde. Nun ist es wichtig, dass ihr ihnen zeigt, wie sie bewusst damit umgehen. Strenge Verbote machen Süßigkeiten erst recht interessant. Meist führen sie nur dazu, dass Kinder heimlich und mit schlechtem Gewissen naschen. Viel besser ist es, wenn ihr ihnen beibringt, dass Süßigkeiten etwas Besonderes sind, was man gemeinsam in kleinen Mengen genießt.

Diese Herausforderung erwartet mich noch. Ich werde so um den zweiten Geburtstag herum damit beginnen und euch auf dem Laufenden halten. Habt ihr vielleicht bereits Erfahrungen damit gesammelt? Dann freue ich mich auf eure Kommentare 🙂

2 thoughts on “Süß, süßer, am süßesten. Kinder lieben Süßigkeiten, aber wie viel davon ist gut für sie?

  1. Emilie

    Ich mag den Artikel sehr gerne, du hast ihn echt toll geschrieben! Ich habe (noch) keine Kinder, möchte es aber genauso handhaben wie du. So wenig Zucker wie möglich, lieber die Süßigkeiten der Natur anbieten. Super Sache! 🙂
    Liebe Grüße,
    Emilie

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