Milch-Mythen: Sie enthält resistente Keime, ist krebserregend und macht dick

Ein Glas Milch neben einem kleinen Buch mit dem Titel "Dreams"

Milch wird immer unbeliebter. Unberechtigter Weise, wie ich finde. In meinem Milch-Artikel habe ich deshalb bereits ausführlich über ihre vielen Vorzüge und dem verbreiteten Phänomen der (vermuteten) Unverträglichkeiten berichtet. Hier nun noch eine kleine Ergänzung. Mir begegnen nämlich immer wieder kritische Bemerkungen rund um die Milch. Was ist aber tatsächlich dran, an diesen Milch-Mythen?

Milch enthält Antibiotika resistente Bakterienstämme

Resistente Bakterienstämme können während der Lebensmittelproduktion tatsächlich nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Milch übertragen werden. Aber die Keime werden durch hohe Temperaturen abgetötet. Die im Handel erhältliche pasteurisierte Milch ist mit Hitze behandelt und enthält somit keine resistenten Bakterien mehr.

Rohmilch sollte man mit Vorsicht genießen. Auch wenn sie vom Bio-Bauernhof kommt. Hier gibt es zwar strengere Reglungen, grundsätzlich dürfen aber auch Tiere aus ökologischer Tierhaltung mit Antibiotika behandelt werden.

Hintergrund: Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika gibt es immer mehr Bakterien, die unempfindlich, also resistent gegen das Medikament sind. Werden krankmachende Keime resistent, wird es für uns gefährlich, weil resultierende Krankheiten nicht mit Antibiotika behandelbar sind. Krankheitsverläufe können dann insbesondere bei Kindern, Schwangeren, Immunschwachen oder älteren Menschen schwere Folgen haben und sogar tödlich sein.

Milch ist krebserregend

Nein und ja! Es kommt auf die Krebsart an. So konnten Wissenschaftler zeigen, dass ein regelmäßiger Milchkonsum das Risiko für Dickdarmkrebs sogar senkt (Max Rubner Institut 2014).

Andererseits gibt es auch Studien, die darauf hinweisen, dass Milch das Risiko für Prostatakrebs erhöht. Demnach steigt das Risiko, umso mehr Milch und Milchprodukte aufgenommen werden (Max Rubner Institut 2014). Männer sollten deshalb möglichst nicht mehr als die von der DGE empfohlenen drei Portionen täglich (200 bis 300 Gramm) aufnehmen.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht von Milchprodukten aber insgesamt kein relevantes Gesundheitsrisiko aus. Milch enthalte zwar von Natur aus Hormone, wie z. B. das weibliche Sexualhormon Progesteron. Und im Tierversuch hat sich gezeigt, dass Hormone die Tumorbildung begünstigen. Allerdings produziere der Mensch selbst viel größere Mengen an Progesteron, als durch die üblichen Mengen an Milch (rund 250 Gramm pro Tag) über die Nahrung aufgenommen werden kann. Außerdem baue der Körper Hormone, die in moderaten Mengen über Lebensmittel aufgenommen werden i.d.R. so schnell ab, dass sie nicht zu ihren Wirkungsort gelangen können (BfR 2014).

Milch ist ein Calciumräuber

Nein! Im Zuge des aktuellen Vegan-Hypes werden immer wieder Stimmen laut, die behaupten, dass Milch und Milchprodukte dem Körper Calcium entziehen. Es stimmt, dass die schwefelhaltigen Aminosäuren aus tierischem Eiweißen dazu führen, dass Calcium vermehrt über den Urin wieder ausgeschieden wird. Insgesamt wird aber mehr Calcium aufgenommen, als wieder ausgeschieden. Milch-Calcium hat eine hohe Bioverfügbarkeit, kann also gut vom Körper verwertete werden. Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass der Milchzucker (Lactose) die Calcium-Aufnahme fördert . Insgesamt wirkt sich Milchkonsum also positiv auf unsere Knochengesundheit aus.

Milch verschleimt die Atemwege

Nein! Die traditionell Chinesischen Medizin beschreibt Milch zwar als ein schleimbildendes Lebensmittel, das unsere Körperfunktionen hemmen kann. Und tatsächlich bildet sich nach einem Schluck Milch ein zäher Speichelfilm im Mundraum. Deshalb habe ich mich auch nicht gewundert, als unsere Kinderärztin uns davon abgeraten hat, meinem erkältetem Sohn Milch zu geben, weil es die Atemwege verschleime. Studien zeigen aber, dass sich diese verstärkte Schleimbildung nicht auf die Atemwege auswirkt. Man braucht bei Erkältungen also keineswegs auf Milch verzichten!

Milch raubt dem Tee gesunde Inhaltsstoffe

Leider ja! Schwarzer und grüner Tee enthalten den sekundären Pflanzenstoff Katechin, der vor Herzerkrankungen schützt. Forscher der Charité haben gezeigt, dass die positive Wirkung des Katechins durch Milch außer Kraft gesetzt wird (Charité 2007). Es wird angenommen, dass das Milcheiweiß mit Katechin unlösliche Komplexe bildet, die vom Körper nicht aufgenommen werden können. Ich liebe Tee mit Milch und werde ihn deshalb weiterhin trinken. Um trotzdem von der positiven Wirkung des Tees zu profitieren trinke ich aber hin und wieder auch einen grünen Tee – natürlich ohne Milch. Hier muss man nur wieder aufpassen, wegen der teils hohen Pestizidbelastung (Stiftung Warentest 2015).

Milch macht dick und fettarme Produkte enthalten viel weniger Nährstoffe

Milch ist kein leichtes Getränk, sondern ein reichhaltiges Lebensmittel. Deshalb kann Milch, so wie auch Wurst, Quinoa, Nüsse usw. dick machen, wenn man übermäßig viel davon verzehrt. Ein Latte Macchiato ist schnell zwischendurch getrunken und enthält schon nahezu die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesration (ca. 200 bis 300 Gramm Milch/Milchprodukte). Am besten orientiert ihr Euch an den Empfehlungen der DGE und wählt außerdem fettarme Produkte. Sie enthalten nämlich nahezu genauso viel wertvolle Mineralstoffe, Eiweiße und Vitamine wie die vollfett Variante. An die leichte Geschmackseinbuße hat man sich ganz schnell gewöhnt. So macht Milch auch nicht dick 😉

Sind Euch noch andere verwirrende Behauptungen rund um die Milch begegnet? Bitte hier teilen! Ich bin gespannt.

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