Kinderernährung: Häufige Irrtümer und sieben praktische Tipps

Himbeere in einer Kinderhand.Eltern wollen nur das Beste für ihren Nachwuchs. Aber wenn es um gesunde Ernährung geht, wird es oft kompliziert. Noch nie gab es so viele wohlwollende Essens-Experten: Freunde, Omas, Kinderärzte, Journalisten, Forscher. Leider wird auch jede Menge Unsinn erzählt.Das kann ganz schön verwirren und auch nerven. Für etwas mehr Klarheit habe ich euch hier einen kleinen Leitfaden zusammengestellt.

Vier Irrtümer, die mir immer wieder begegnen

  1. Mein Kind mag kein Gemüse

    Bund, knackig und abwechslungsreich – Fast jedes Kind mag Gemüse! Aber Vorlieben bilden sich durch wiederholtes Probieren. Kinder müssen sich an neue Geschmäcker und Texturen gewöhnen. Dabei gilt: Niemanden zum Essen zwingen, aber probieren ist Pflicht.
    Tipp: Verschiedenes Gemüse auf unterschiedliche Weise (roh, gegart, geschnitten,…) immer wieder anbieten. Mein Sohn mochte Paprika vor einem Jahr überhaupt nicht. Jetzt liebt er sie in allen Formen und Farben.

  2. „Gegessen wird am Tisch“ – das ist altmodisch und autoritär

    Überhaupt nicht! Gemeinsam am Tisch sitzen, feste Essenszeiten, schöne Rituale und eindeutige Grenzen geben Kindern Sicherheit und Geborgenheit. Beim Spielen, im Kinderwagen oder Autositz sind die Zwerge abgelenkt und merken nicht, ob sie hungrig oder satt sind. Deswegen ist Dauersnacken auch tabu! Mahlzeiten wechseln sich mit essfreien Zeiten ab. Das freut auch die Zähne.
    Tipp: Kinder möchten Aufgaben übernehmen. Lasst sie beim Tischdecken anpacken. Auch beim Kochen helfen sie gern. Natürlich nicht mit scharfen Messern oder am heißen Herd. Aber kleine Hände schneiden wunderbar Pilze mit stumpfen Brotmessern oder rühren Salatsoßen an. Die ganz kleinen bekommen ihren eigenen „Spiel-Topf“ mit trockenen Nudeln und Haferflocken. So lässt es sich viel entspannter Kochen, als mit einem kleinen Schreihals am Bein.

  3. Kinderlebensmittel sind genau auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt

    Nein! Kinderlebensmittel sind meist viel zu süß, zu fettreich und oben drein auch noch zu teuer. Eine Erfindung der Lebensmittelindustrie, die nicht gesunde Kinder, sondern Profit zum Ziel hat. Auch Fruchtjoghurts, Fertigmüslis und insbesondere Frühstückscerealien (z. B. Flakes und Pops mit Honig oder Schoko) sind oft viel zu süß und enthalten bis zu 50 Prozent Zucker – egal ob Bio oder konventionell!
    Tipp: Müsli, Fruchtjoghurt und mild gesüßtes Gebäck selber machen.

  4. Mein Kind bekommt Süßigkeiten wann es will – Verbote vergrößern nur die Lust darauf

    Es ist richtig, dass Süßigkeiten durch totale Verbote besonders interessant werden. Das Gegenteil – ständige Verfügbarkeit von Süßigkeiten – ist aber genauso schlimm. Kinder sollten lernen Süßigkeiten in Maßen zu genießen.
    Tipp: Pro Tag z. B. eine Portion Nachtisch nach dem Mittagessen. Gut eignet sich u. a. ungezuckerter Joghurt mit süßem Obst. So lernen Kinder die natürliche Süße schätzen. Kinder die wenig industriell gefertigte Süßigkeiten bekommen, greifen viel öfter zu Obst. Bio-Reiswaffeln mit Schokolade und Honigwaffeln sind übrigens auch kalorienreiche Süßigkeiten die bezogen auf ihre Energiedichte kaum wertvolle Inhaltsstoffe liefern!!! Mehr zum Umgang mit Süßigkeiten in meinem Zucker-Artikel.

Diese Lebensmittel eigenen sich besonders gut für Kinder

  • Gemüse und Obst in allen Formen und Farben. Für die ganz Kleinen am besten schonend gegart oder weiche Sorten (Gurke, Himbeeren,…). Obst kann übrigens sehr viel Zucker enthalten, besonders Bananen, Weintrauben und Mango. Diese Früchte höchstens zwei- bis dreimal pro Woche.
    Tipp: In mundgerechten Stücken angeboten, greifen die Kleinen besonders gern zu. Gefrorene Erdbeeren, Bananenscheiben und andere Früchte sind ein toller Eisersatz für heiße Tage.
  • Brot, Reis und Nudeln aus Vollkorn.
    Tipp: Zu manchen Soßen passt Vollkorn finde ich nicht. Da mache ich dann halb/halb (vollkorn/normal). Wusstet ihr übrigens, dass Vollkornbrot nicht dunkel und körnig sein muss? Umgekehrt sind dunkle Körnerbrote nicht gleich vollkorn. Eine große Auswahl gibt es in Bio-Bäckereien.
  • Fettarme Milchprodukt. Sie enthalten nahezu genauso viel wertvolle Mineralstoffe, Eiweiße und Vitamine wie die Vollfett-Varianten.
    Tipp: Einige Halbfett-Produkte schmecken mir nicht so gut. Hier erwische ich mich dann manchmal, wie ich wegen des laschen Geschmacks die doppelte Menge z. B. an fettarmen Frischkäse aufs Brot schmiere. Deswegen habe ich entschieden, in diesen Fällen lieber gleich das leckere Vollfett-Produkt in Maßen zu verwenden. Bei anderen Milchprodukten (z. B. Milch) gibt es aber kaum kaum Geschmackseinbußen. Vorsicht bei Joghurts. Hier enthalten die Light-Versionen oft mehr Zucker und am Ende fast genauso viele Kalorien.

Diese Lebensmittel eignen sich nicht für Kinder

  • Rohes oder nicht vollständig durchgegartes Fleisch (Mettwurst, blutiges Steak), rohe Eier und Speisen mit rohen Eiern (Mayonnaise, Tiramisu), roher Fisch (Sushi), Weicher Rohmilchkäse (erkennbar am Etikett) und Rohwurst (Salami, Teewurst).
    Warum? Diese Produkte können mit Krankheitserregern (Salmonellen, EHEC,..) verunreinigt sein, weil sie nicht erhitzt werden. Es kann zu Magen-Darm-Erkrankungen kommen, die für Kinder bis zum 5. Lebensjahr gefährlich sind. Wobei eine Salami weniger schlimm ist als Mettwurst. Salami durchläuft nämlich einen langen Reifeprozess, während dessen einige Keime abgetötet werden können. Aber eben nicht so zuverlässig wie durch hohe Temperaturen. Außerdem ist Salami sehr salzig und fett. Besser ihr greift zu gekochten Schinken ohne Fettrand.
  • Stark angebratenes oder gegrilltes Fleisch.
    Warum? Durch die enorme Hitze können krebserregende Stoffe entstehen (siehe dazu auch meinen Grill-Artikel).
  • Fertiggerichte und frittierte Speisen.
    Warum? Hier verstecken sich jede Menge Salz, ungesunde (gehärtete) Fette und manchmal sogar Zucker.
  • Nüsse oder sehr kleine harte Früchte wie Heidelbeeren, kleine Trauben oder Rosinen.
    Warum? Erstickungsgefahr. Hier kommt es aber auf den Entwicklungsgrad eures Kindes an. Mein Sohn hat sehr früh Backenzähne bekommen und sich bisher noch nie an einer Nuss o. ä. verschluckt. Ich finde es aber gut, die Info im Hinterkopf zu haben. So passe ich bei bestimmten Lebensmitteln besonders auf, dass er langsam isst und gut kaut.

Es handelt sich hier um Vorsichtsmaßnahmen. Nicht jedes Lebensmittel ist belastet oder gefährlich, aber die Möglichkeit besteht. Also nicht in Panik verfallen, falls euer Kind doch Mal ein Stück Salami oder dunkel gegrillte Wurst isst 😉

Auf die Zubereitung kommt es an! So spart ihr ungesunde Fette, Salz und Zucker ein

  • Gedünsteter Fisch ohne Panade und Gräten statt Fischstäbchen
  • Pellkartoffeln statt Pommes
  • Gedünstetes mageres Fleisch statt Würstchen
  • Gekochter Schinken statt Salami
  • Obstteller statt Pudding

Und noch ein wichtiger Hinweis: Kleinkinder merken, wenn sich ihre Eltern sorgen, weil sie z. B. bestimmte Lebensmittel meiden, zu viel oder zu wenig essen. Last euch nicht aus der Ruhe bringen und redet vor euren Kindern nicht darüber! Essen ist kein Problem, sondern in erster Linie etwas Selbstverständliches, was zum Leben dazu gehört.

2 thoughts on “Kinderernährung: Häufige Irrtümer und sieben praktische Tipps

  1. Emilie

    Was für ein toller Text! Ich kann deine Tipps und Hinweise nur unterschreiben. 🙂 Ich liebe deinen Blog mit deinen wirklich sachlichen und gut fundierten Infoartikeln. Weiter so! Von solchen Websites sollte es noch viel mehr geben! 🙂
    Liebe Grüße,
    Emilie

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.