Abwarten und keine Schadstoffe trinken – Unterschätztes Risiko Tee

Teetasse gefüllt mit Roibuschtee, der möglicherweise krebserregende Pyrrolizidinalkaloide enthält

Wohltuend, wärmend, kalorienarm – Tee ist ein tolles Getränk, dass neben Genuss und Entspannung auch für Gesundheit steht. So werden Kräutertees als Hausmittel schon seit Gedenkzeiten gegen Erkältungen eingesetzt. Stilltee soll die Milchbildung ankurbeln. Schwarzer und grüner Tee schützen möglicherweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beugen vermutlich sogar Krebs vor. Tee ist also durch und durch gut. Oder war es zumindest bis das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2013 krebserregende Pyrrolizidinalkaloide kurz PA in Kräutertees und Tee entdeckte.

Was sind Pyrrolizidinalkaloide?

PA sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die von Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden gebildet werden. Nicht die PA selbst, sondern deren Abbauprodukte sind schädlich. Schätzungsweise enthalten etwa 6.000 Pflanzenarten PA, darunter auch Wildkräuter, die auf Anbauflächen von Nutzpflanzen wachsen. So können PA mit der Ernte auf ganz natürliche Weise in unseren Teetassen bzw. auf unseren Salattellern landen. Auch Honige können belastet sein, wenn die Bienen Pollen von PA-haltigen Wildkräutern sammeln.

Wie schädlich sind Pyrrolizidinalkaloide?

Im Tierversuch wirken bestimmte Pyrrolizidinalkaloide krebsauslösend und erbgutverändernd. Experten vermuten, dass PA auch beim Menschen krebserregend wirken können. Bekannt ist, dass sie in hohen Dosen die Leber schädigen. Wir nehmen gesundheitlich bedenkliche Mengen an PA vor allem über Kräutertees – einschließlich Rooibuschtee – sowie schwarzem und grünem Tee auf. Auch Honig kann zur PA-Aufnahme beitragen. Grund zur Beunruhigung bereiten aber nicht die gelegentliche Tasse Tee oder mal ein Honigbrötchen, sondern die regelmäßige und dauerhafte Aufnahme verunreinigter Lebensmittel.

So könnt ihr euch schützen

Es gilt die goldene Regel der gesunden Ernährung: abwechslungsreich und vielfältig Essen/Trinken. Menschen die viel Tee trinken – insbesondere Kinder, Schwangere und Stillende – sollten häufig Sorten und Marken wechseln (weil die PA-Gehalte innerhalb der gleichen Teesorte erheblich schwanken) und nicht ausschließlich Tee und Kräutertee trinken. Gute Alternativen sind Wasser und Saftschorlen. Wer etwas warmes trinken möchte, kann zu Früchtetee greifen. Meine Favoriten für Tee-Ersatz: Heißes Wasser mit einem Schuss Saft (z.B. Zitrone oder Traube) oder etwas Ingwer aufgepeppt. Bioprodukte bringen keine Vorteile, weil es sich bei den PA um natürliche Inhaltsstoffe der Pflanze handelt. Babys sollten selten oder besser überhaupt keinen Tee bekommen. Für Kinder eignet sich ein dünner Tee-Aufguss mit einer Dosierung von einem Teebeutel auf einen Liter Wasser.

Roibuschtee wird in eine Tasse eingegossen

Gut zu wissen: Die Stiftung Warentest fand die höchsten PA-Gehalte in Kamillentee und Kräutertee-Mischungen. Fencheltee war kaum belastet, vermutlich, weil er aus Samen besteht und unerwünschte Pflanzenteile leichter erkannt und beseitigt werden können. Die vollständigen Testergebnisse findet ihr hier.

Wandern Blattgemüse, Salat oder Kräuter auf eure Teller, sortiert unbekannte Pflanzenteile aus. Und guckt genau hin, denn die Blätter des PA-haltigen Greiskraut sehen Rucola sehr ähnlich. Wer wildwachsende Kräuter selbst im Wald sammeln möchte, sollte sich sehr gut auskennen. Nahrungsergänzungsmittel auf Pollenbasis können übrigens auch besonders hohe PA-Konzentrationen haben. Da deren gesundheitsförderliche Wirkung sowieso nicht belegt ist, würde ich auf derartige Wundermittelchen besser verzichten.  

Warum sind PA weitgehend unbekannt?

Eine aktuelle Studie des BfR zeigt, dass die PA-Problematik noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Die Mehrheit der Befragten hat noch nie etwas von PA in Kräutertees und Tees gehört. Auch nicht nachdem im Frühjahr letzten Jahres ein leichter Aufschrei durch die Presse ging, als die Stiftung Warentest ihre Tee-Testergebnisse veröffentlichte. Nur jeder zweite Tee überzeugte: “Die bedenk­lichsten Funde stellten die Pyrrolizidinalkaloide dar”. Der Anbieter des französischen Luxus-Tee “Kusmi Tea” nahm seinen Kamillentee aufgrund extrem hoher PA-Gehalte sofort vom Markt.

Offenbar werden Risiken natürlichen Ursprungs meist unterschätzt. Geht es um unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln, fühlen sich Menschen laut Studie am stärksten von synthetischen Stoffen und Schwermetallen wie Quecksilberverbindungen in Fisch und Dioxin in Eiern bedroht. Wie ist das bei euch? Lässt euch das Thema PA in Tee Auch eher kalt? Ich liebe Tee und muss zugeben, dass ich mich immer wieder bei dem Gedanken erwische, dass so etwas Gutes, das schon von unseren Ururururururgroßeltern getrunken wurde, doch nicht schlecht für uns sein kann.

Temperaturen und Zieh-Zeiten einhalten

Wusstet ihr übrigens, dass Kräuter-und Früchtetees gesundheitsschädliche Keime wie z.B. Salmonellen enthalten können? Nicht umsonst wird auf der Verpackung darauf hingewiesen, die Zubereitungsanleitung zu befolgen: “…nur dann erhalten Sie ein sicheres Produkt”. Durch einen Aufguss mit sprudelnd kochendem Wasser und einer Ziehzeit von mindestens fünf Minuten werden die Keime abgetötet. Deswegen solltet Ihr diese Teesorten (genau genommen teeähnlichen Getränke, weil ja nur schwarzer und grüner Tee tatsächlich aus den Blättern der Teepflanze bestehen) nie nur mit warmen Wasser aus einer Thermoskanne übergießen. Das kann insbesondere für Kinder, Schwangere und Stillende gefährlich werden. Zudem sollten aufgegossene Kräuter- oder Früchtetees nicht über mehrere Stunden aufgehoben werden, schon gar nicht bei Raumtemperatur. Möglicherweise enthalten sie Sporen. Eine widerstandsfähige Form von Keimen, die das kochende Wasser unversehrt überstehen und sich anschließend im warmen Wasser explosionsartig vermehren können.

Fazit: Um die Aufnahme von krebserregenden Schadstoffen und krankmachenden Keimen über Tee zu vermeiden, solltet ihr Tee im Wechsel mit anderen Getränken genießen, die Sorten und Hersteller öfter wechseln, für Kräuter- und Früchtetees kochendes Wasser nutzen und vorgegebene Ziehzeiten einhalten. Weitere ausführliche Informationen zum Thema gibt es beim BfR.

Kennt ihr schon meinen Kohl-Artikel? Da geht es auch um krebserregende sekundäre Pflanzenstoffe in „gesunden“ Lebensmitteln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.