Wer viel rotes Fleisch isst, stirbt früher und zerstört den Planeten. Wirklich?!

Ein Stück rohes Rindfleisch

Foto by Markusspiske/pixabay

Ich komme aus einer Fleischerfamilie. Opa und Oma führten eine Fleischerei im Berliner Wedding. Fleisch bedeutete Lebensqualität und Fleisch gab es, so oft wie möglich. Bei einer Fleischerfamilie also jeden Tag. Mein Onkel verstarb mit Anfang 60 an Darmkrebs. Ich habe ihn nie kennengelernt. Mein Vater sagt immer, er sei an „seiner Wurst gestorben“. Hört man die aktuellen Stimmen der Wissenschaft, könnte er damit recht haben.

Ein kleines Steak genauso schlimm wie 20 Zigaretten?!

Fleisch ist in den letzten Jahren oft in die Kritik geraten.  Gammelfleisch, Vogelgrippe, Schweinepest und Co. haben scheinbar zu einem Umdenken geführt. Laut Stiftung Warentest ist der Fleischkonsum tatsächlich gesunken. Dennoch verspeisen wir im Durchschnitt immer noch fast doppelt so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt. Und zwar 60 Kilogramm pro Jahr.

Damit setzen wir unsere Gesundheit aufs Spiel! Aktuelle Studien zeigen das Menschen, die viel Rind-, Schweine- oder Lammfleisch, also viel rotes Fleisch essen, ein erhöhtes Risiko haben an Krebs und Typ 2 Diabetes zu erkranken. Laut EPIC-Studie erhöht bereits 100 Gramm rotes Fleisch (ein halbes Steak oder ein kleiner Burger) täglich das Darmkrebsrisiko um fast 50 Prozent. Durch 100 Gramm Wurst (eine Bockwurst oder fünf Scheiben Schinken) sogar um 70 Prozent. Beim Diabetes verhält es sich ähnlich. Jeden Tag 150 Gramm rotes Fleisch erhöht das Diabetesrisiko ähnlich wie das Rauchen von mehr als 20 Zigaretten pro Tag. Und zwar um 80 Prozent!

Besser fleischlos leben?

In Berlin macht sich zurzeit ein richtiger Vegan-Trend bemerkbar. Neben vielen guten veganen Restaurants gibt es seit einiger Zeit sogar einen gut sortierten Vegansupermarkt. Veganer essen nicht nur kein Fleisch und kein Fisch, sondern auch keine Eier, Milch und Milchprodukte. Durch den totalen Verzicht auf tierische Produkte ist ein Mangel  an Vitamin B12, Eiweiß, Calcium , Eisen und Jod fast vorprogrammiert. Nur mit einer geschickten Lebensmittelauswahl können Veganer auch über pflanzliche Lebensmittel, alle lebenswichtigen Inhaltsstoffe aufnehmen. Probleme macht vor allem das Vitamin B12, weil es hauptsächlich in tierischen Produkten und nur zu geringen Mengen auch in fermentierten pflanzlichen Lebensmitteln (z. B. Sauerkraut) vorkommt.

Am gesündesten leben wahrscheinlich die „Ovo-Lacto-Vegetarier“.  Sie essen alles außer toten Tieren. Durch den hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel nehmen sie besonders viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe auf.  Vegetarier bekommen nicht so leicht eine Mangelerscheinung wie Veganer, weil sie über Milchprodukte und Eier ausreichend Vitamin B12, Calcium und Eiweiß aufnehmen können. Aber Vorsicht! Ihr solltet nie das Fleisch einfach weglassen und genauso weiteressen wie bisher. Auch Vegetarier müssen genau auf ihre Lebensmittelzusammensetzung achten. Der plötzliche Wegfall von wertvolle Eiweiß-, Jod, und Eisenquellen muss behutsam ausgeglichen werden.

So geht eine gesunde Ernährung, auch sehr gut ohne Fleisch. Wer Fleisch gerne isst, kann das aber auch weiterhin tun. Möglichst Geflügel und wenig fette, salzige Wurstwaren. Weniger ist hier mehr. Bei mir kommt Fleisch im Durchschnitt zwei Mal pro Woche auf den Tisch. Ich genieße lieber kleine Portionen und kaufe selten, dafür in hoher Qualität direkt beim Fleischer oder bei gut sortierten Fleischtheken im Supermarkt.  Wer Fleischlos lebt schützt auch die Umwelt. Im Vergleich zu pflanzlicher Kost, ist der Verbrauch an Energie und Wasser für Fleischkonsum zehn Mal so hoch! Ihr seht, wenig Fleisch essen lohnt sich!

Ist das Eisen der Übeltäter?

Rotes Fleisch ist besonders eisenreich. Wir brauchen das Spurenelement zum Überleben, weil es u.a. den Sauerstofftransport im Blut unterstützt. Ein Zuviel an Eisen kann die Zellen aber auch schädigen. Um genau das zu verhindern, hat unser Körper zum Glück verschiedene Schutzmechanismen. Aber was wenn der permanente Fleischkonsum nicht nur viel Eisen liefert, sondern zugleich diese Schutzmechanismen empfindlich stört? Wissenschaftler stellten in einer Studie, die im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, fest, dass Menschen die viel rotes Fleisch essen, oft auch übervolle Eisenspeicher und zugleich niedrigen Schutzprotein-Mengen (Glyzin) haben. Auch beim Darmkrebs scheint Eisen an der Krankheitsentwicklung beteiligt zu sein. Eisen begünstigt nämlich die Bildung schädlicher Nitroso-Verbindungen im Körper. Das würde auch erklären, warum im vergleichsweise eisenarmen Geflügel keine nachteiligen Auswirkung auf die Gesundheit zu beobachten sind.

Von Genen, Bewegung und Kochen

Mein Onkel ist vielleicht an seiner Wurst gestorben. Warum sind mein Vater und meine Tante mit über 70 aber immer noch quietschlebendig? Weil natürlich nicht jeder der viel Fleisch ist auf jeden Fall an Krebs stirbt. Es erhöht sich eben nur das Risiko dafür. Bei der Krebs- und Diabetesentwicklung spielen viele Faktoren und deren Kombination eine Rolle: Zigaretten, Alkohol, wenig Bewegung, genetische Voraussetzungen, um nur einige zu nennen. Auch die Art und Weise wie wir unsere Speisen zubereiten, ist entscheidend. Unter zu hohen Temperaturen beim Grillen und beim Braten entstehen z. B. leicht krebserregende Schadstoffe. Außerdem wird zu Gunsten des Fleischs oft auf Obst und Gemüse verzichtet. So werden weniger schützende Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe aufgenommen.

Ein gesunder Lebensstil schützt

Herzkreislauferkrankungen sind die häufigsten Folgeschäden von Diabetes und die Haupttodesursache der Deutschen, gefolgt von Krebserkrankungen. Beim Krebs führt (neben Brust- und Lungenkrebs) der Darmkrebs die traurige Liste an. Die gute Nachricht: Viele dieser Erkrankungen sind vermeidbar. Ein gesunder Lebensstil ohne Zigaretten, mit wenig oder gar keinem Alkohol, mit einem normalen Körpergewicht, ausreichend Bewegung und Entspannung sowie einer gesunden Ernährung senkt das Risiko an Darmkrebs und Typ 2 Diabetes zu erkranken. Klingt anstrengend? Auch wenn ihr nur zwei der gesundheitsfördernden Maßnahmen befolgt, wirkt sich das schon positiv aus. Es gilt aber: je mehr, desto besser. Außerdem schützen diese Maßnahmen nicht nur vor Krankheiten, sondern steigern auch das Wohlbefinden.

Ihr würdet gerne wissen, wie hoch euer Diabetes-Risiko ist? Dafür empfehle ich euch den Diabetes-Risiko-Test vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Wegen des zugrunde liegenden Studiendesigns, könnt ihr den Test nur machen, wenn ihr das 34. Lebensjahr überschritten habt.

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