Nicht jeder reagiert mit einem hohen Blutdruck. Trotzdem tut weniger Salz gut!

Grobes Salz auf einem Löffel in einem Tonkrug

Foto by Kboyd/pixabay

Ich bin bekennender Salzfanatiker. Trotzdem versuche ich mit Salz sparsam umzugehen. Der meistkonsmierte Mineralstoff ist zwar lebenswichtig und schmeckt, aber ein Zuviel des Guten schädigt unsere Gesundheit.

Laut Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der American Heart Association (AHA) erhöht ein übermäßiger Salzkonsum den Blutdruck. Schwerwiegende Erkrankungen am Herz wie ein Schlaganfall können die Folge sein. Allerdings ist nicht jeder davon betroffen. Genetische Veranlagung, Geschlecht, Alter und Vorerkrankungen wie z.B. Übergewicht spielen eine wichtige Rolle.

Viele Menschen sind salzsensitiv

Amerikanischen Forscher fanden heraus, dass ein Drittel der Bevölkerung mit normalem Bluthochdruck und über die Hälfte der Bluthochdruck Patienten salzsensitiv sind (Weinberger, 1996, Fachzeitschrift „Hypertension“). D.h., dass ihr Blutdruck besonders empfindlich auf Salz reagiert.

Leider kann man beim Arzt nicht einfach testen lassen, ob man salzsensitiv ist. Deswegen sollte man den eigenen Blutdruck im Auge behalten und sich möglichst präventiv an mild-gesalzene Speisen gewöhnen.  Ich habe wie meine Mutter einen niedrigen Blutdruck, obwohl wir beide sehr gerne Salz essen. Deshalb vermute ich, dass wir genetisch bedingt nicht salzempfindlich sind. Beim Griff zum Salzstreuer, erwische ich mich oft bei dem Gedanken: Meinem niedrigen Blutdruck kann das doch nur gut tun.

Viele Gründe sprechen für weniger Salz

Ob ich wirklich „salzresistent“ bin, weiß ich nicht. Das ist ein Grund warum ich meinen Salzkonsum vorsorglich reduziert habe. Der eigentliche Auslöser war aber, dass ich mein Kind an den natürlichen Geschmack der Speisen gewöhnen wollte. Da habe ich die Gelegenheit gleich für eine kleine Ernährungsumstellung genutzt. Der Effekt war toll. Seit dem ich mich an weniger Salz gewöhnt habe, schmecke ich z. B. die milde Süße von Karotten, das nussige Aroma von Vollkornreis und das Erfrischende der Petersilie viel intensiver.

Es kann sein, dass euch meine Rezepte manchmal etwas fad erscheinen. Ich kann euch aber aus eigener Erfahrung sagen, dass Salz wirklich eine Sache der Gewohnheit ist. Die Umstellung funktioniert nicht von heute auf morgen. Reduziert man das Salz aber jeden Tag ein bisschen, dann merkt man überhaupt nichts davon. Unsere Geschmacksknospen können sich nämlich Stück für Stück wieder an weniger Salz gewöhnen. Am Ende schmeckt man sogar mehr als vorher, weil der intensive Salzgeschmack die feinen Nuancen nicht mehr überdeckt.

Ein weiterer Grund für meine Umstellung ist, dass Salz nicht nur den Blutdruck erhöht, sondern auch das Risiko für Magenkrebs, Nierenerkrankungen und Osteoporose. Kein Wunder, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung höchstens 6 Gramm pro Tag empfiehlt. Trotzdem nehmen 75 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen zu viel Salz auf. Besonders junge Männer aber auch Kinder und Jugendliche. Vermutlich durch den Verzehr von Fast Food, Knabberein und Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza. Wie oft sehe ich auch schon Kleinkinder mit Salzstangen oder einer salzigen Laugenbrezel in der Hand!

Das sind die eigentlichen Salzquellen

Beim Großteil der Bevölkerung sind die Hauptquellen für Salz aber weder McDonald’s und Co. noch der oft verteufelte Salzstreuer. Es sind genau die Lebensmittel, ohne die für die meisten von uns, weder Frühstück noch Abendbrot vorstellbar sind: Wurst, Käse und Brot! Salami, geräucherter Schinken und Hartkäse stehen an der Spitze der salzigen Lebensmittel.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat bereits 2012 empfohlen, den Salzgehalt in verarbeiteten Lebensmitteln zu verringern. Bisher hat die Lebensmittelindustrie darauf scheinbar nicht reagiert. An der Verpackung kann man besonders salzige Produkte leider auch nicht erkennen. Anders in Finnland. Hier läuft seit 1975 eine Salzreduktionskampagne. Lebensmittel, die den empfohlenen Salzgehalt überschreiten, müssen als „stark gesalzen“ gekennzeichnet werden. Heute nehmen die Finnen anstatt 12 g nur noch 6,8 bis 9,3 Gramm Salz auf.

Wie salzig die Produkte in den Einkaufsläden sind, können wir Verbraucher leider schwer beeinflussen. Sollen wir unsere Ernährung jetzt komplett umstellen und auf Serrano, Parmesan und Krustenbrot verzichten? Zumindest wäre es gut, wenn wir achtsam mit diesen Lebensmitteln umgehen. D. h. dünne Käse und Wurstscheiben verwenden und auch gerne Mal den Aufstrich selbst machen.

In der eigenen Küche können wir sehr wohl Einfluss nehmen. Warum nicht mal das Brot selber backen? Fertigmenüs, Saucen und Knabbereien sind hin und wieder okay, sollten aber nicht zur Gewohnheit werden: Neben zu viel Salz enthalten sie auch oft zu viel Fett und zu wenig Nährstoffe. Nüsse schmecken nach einer Eingewöhnungsphase auch ganz pur ohne Salz und extra Fett.

Egal ob salzsensitiv oder salzresistent: Weniger Salz tut uns allen gut. Es fördert nicht nur unserer Gesundheit, sondern bereichert auch unser Geschmackserlebnis!

4 thoughts on “Nicht jeder reagiert mit einem hohen Blutdruck. Trotzdem tut weniger Salz gut!

  1. Hedwig

    da muss ich leider widersprechen, seitdem ich in den Wechseljahren bin hat sich mein Salzbedarf echt gesteigert und meine Ärztin hat mich darin bestätigt, dass es Phasen im Leben gibt, wo man mehr Salz benötigt.

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    1. Sonja Post author

      Liebe Hedwig,
      ehrlich gesagt sind viele Ärzte was Ernährungshinweise betrifft nicht unbedingt die Experten. Ich schließe nicht aus, dass die hormonellen Umstellungen der Wechseljahre einen Einfluss auf den Salzbedarf haben, aber da jede Frau unterschiedlich reagiert, müsste das im Einzelfall abgeklärt werden.
      Seit einigen Jahren geistert auch das Zitat eines gewissen Professor Ingo Füssen für Geriatrie durch die Medien. Demnach ist eine salzarme Ernährung für ältere Menschen sogar riskant, weil sie zu einem gefährlichen Natriummangel führen kann. Wir alle wissen, dass Salz lebenswichtig ist. Ein totaler Verzicht ist natürlich riskant. Aber ich rate hier – wie alle namentlichen Fachgesellschaften und Institutionen (Weltgesundheitsorganisation, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, …) – lediglich zu einem maßvollen Umgang. Da unsere traditionellen Lebensmittel – Brot, Käse, Wurst – bereits so salzreich sind, brauchen wir uns um einen Mangel, wirklich keine Sorgen machen.

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  2. Manuela

    Es ist wie bei allen Dingen. Zu viel ist immer giftig aber ob zu wenig dann die Lösung ist? bei Bluthochdruck auf jeden Fall nicht. Der Körper benötigt Salz, nur eben in angemessenen Mengen.
    Besten Dank für den interessanten Artikel.

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